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World Barbecue Association – Quo Vadis?

World Barbecue Association – Quo Vadis?

14.04.2014

WBQA-Quo Vadis

WBQA


Auf der IBO, der internationalen Frühjahrsmesse in Friedrichshafen, trafen wir Robert Meyer, den amtierenden Vizepräsidenten der World Barbecue Association (WBQA). Von ihm wollten wir wissen, wohin denn die WBQA nach der denkwürdigen Weltmeisterschaft letztes Jahr (wir berichteten in Heft N°3/13) in Marokko steuert.


Herr Meyer, nach der WM in Marokko wollten sie eigentlich nicht mehr für das Amt des Vizepräsidenten zur Verfügung stehen. Aus welchem Grund, und was hat sie schlussendlich dazu bewogen in dieser Funktion weiterhin  für die WBQA tätig zu sein?


Tatsächlich reiste ich Ende Februar zum Konvent nach Göteborg mit der festen Absicht mein Amt niederzulegen. Die letzten Jahre haben mir relativ wenig Zeit gelassen, Job, Ehrenamt für die GBA und WBQA so zu gestalten, dass auch noch genug Raum für Lebensqualität in privater Hinsicht bleibt. Die Umkehr fand bei mir mit der Wiederbegegnung mit Menschen statt, mit denen ich zusammen – vor allem in Marokko, tolle Momente erleben durfte. Ich freue mich aber auch auf die zukünftige Zusammenarbeit mit Patrick*, ein wunderbarer Mensch, ein echter Gentleman, der zuletzt in Marokko gezeigt hat, wie man sich auf internationaler Bühne bewegt und die WBQA professionell repräsentiert.


* Anm: Patrick J. O’Sullivan, Gründungsmitglied der Irish BBQ Association, wurde beim WBQA-Konvent in Göteborg als neuer Präsident gewählt.


Also führte die Umkehr auch über Marokko, eine lange Reise die sie ja mit ihrem Team auf dem Landwege nach Nordafrika bewältigt hatten.


So kann man dies durchaus betrachten. Als Teilnehmer an der WM wurde mir schnell klar, dass es hier nicht um die Bedürfnisse einzelner geht, oder dass sich einzelne mit Ihrem Amt profilieren wollten, sondern die Sache – das Thema, stand im Vordergrund. Selber fand und finde ich mich in der Wahrnehmung meiner Ämter nie besonders wichtig. Die Sache ist wichtig, wofür ich einstehe und was damit bewirkt wird. Das waren die wichtigsten Erkenntnisse die ich in Marokko gewonnen habe. Alle die dabei waren, waren ein Team und haben für die Sache gekämpft. Das Ergebnis war respektabel, und hat viele Kritiker verstummen lassen. Schlussendlich möchte ich eine für mich sehr wichtige Sache und Person noch einmal ins Gedächtnis rufen. Alles hat ja eine Ursache, weshalb wir diese Meisterschaft so erlebt haben. Younes Foudil, Präsident der WBQA Marokko als Veranstalter und zu der Zeit auch Präsident der WBQA, wurde Opfer eines Komplotts. Es gab Kräfte im Land, die ihn bloßstellen und seine Reputation beschädigen wollten. Dies ist ihnen offensichtlich gelungen. Privat hat er seine Insolvenz anmelden müssen und versucht sich jetzt wieder mit seiner aufzurappeln. Eine Meisterschaft ist für mich kein Anlass sich derartig auf zu opfern, hier sollte mehr Solidarität gezeigt werden. Auch, oder gerade bei den Teams, die z.B. Ihre Fahrtkosten mit der Fähre nicht bezahlt haben. Hier ist der kleine Beitrag, sich solidarisch zu zeigen um doch noch aktiv zu werden, viel Wert. Bei der WBQA sprechen wir von einem Schaden, der jetzt behoben wird. Bei Younes sprechen wir von der Vernichtung einer einzelnen Person. Der ein oder andere der sich hier angesprochen fühlt, kann ja nachträglich die Kosten für die Fähre überweisen. Quasi als Solidaritätsbeitrag mit dem Verwendungszweck Jounes Foudil. In Anlehnung an unser Motto – Make people happy and help friends around the world.


OK, das waren deutliche Worte. Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass sie dem Weltverband emotional recht verbunden scheinen.


Durchaus, es entwickelten sich regelrechte Freundschaften, wir alle waren von der Idee der WBQA-Pioniere Rolf Zubler und Werner Bärenfaller begeistert, ein weltumspannendes BBQ-Netzwerk zu schaffen und sich bei nationalen und internationalen Veranstaltungen zu treffen, zu messen, auszutauschen und diesen Community Gedanken zu pflegen. Letztendlich habe ich auch der WBQA viel zu verdanken. Jetzt will ich auch was zurückgeben.


Lassen sie mich ihren letzten Gedanken aufnehmen – etwas zurückgeben, aus dem Munde prominenter Menschen verkommt dies oft zu einer hohlen Phrase. Was gedenken sie zurück zu geben. Wie schaut der Plan aus?


Da ich mich selbst nicht so wichtig nehme und auch nicht zwingend zur Prominenz zähle, muss ich nicht zwanghaft etwas tun was ich eigentlich nicht kann und will, nur weil die Öffentlichkeit  ein von den Medien gesteuertes Abbild erwartet. Nein, was ich von mir erwarte, das kann auch die WBQA von mir erwarten. Vor allem sollten wir den Verband eindeutig positionieren. Ein Beispiel – die einzelnen Mitgliedsländer müssen begreifen, dass die WBQA nicht nur aus ein paar Leuten besteht, die einsame Entscheidungen fällen, sondern die Länder selbst, deren Vertreter, sind die WBQA. Diese halten die Fäden in der Hand. Salopp ausgedrückt, jeder der meckert war nicht dabei. Weiter wollen wir verbindliche Strukturen schaffen und Hilfestellungen für Veranstaltungen geben. Also ein Maßnahmenpaket.


Konkret, wie soll ein derartiges Maßnahmenpaket ausschauen, und was erwarten sie von ihren Mitstreitern?


Mehr Sicherheit und Transparenz für die Teams in Form des Regelwerks, der Infrastruktur und Finanzierung. An meine Mitstreiter, die Ländervertreter kann ich eigentlich nur appellieren, Leute, wenn ihr bei internationalen Meisterschaften mitmachen wollt könnt ihr alles so hin nehmen wie es ist oder ihr arbeitet fleißig mit. Die Teams auf den Meisterschaften wollen doch von einem starken Landesverband unterstützt werden. Also, zusammen können wir was bewegen, einer alleine ist nichts Wert. Die WBQA funktioniert nur so gut, wie es aktive Mitglieder hat. Sollte die WBQA nicht mehr existieren, was mir persönlich viel Arbeit ersparen würde, kann man als Vision ja mal annehmen, dass es in einem Jahr an drei Standorten eine Europameisterschaft und viele kleine Weltmeisterschaften gibt. Wenn das die Zukunft sein sollte, dann ist jeder zweite Karnevals-Grill-Weltmeister.

Na dann wollen wir mal hoffen, und ihnen wünschen, dass diese Vision bis zum nächsten Karneval nicht zur Realität wird. Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.